Ralf25 hat geschrieben:
Ich pers. würde mir 'nen Altbau erst nach Einholung der Gutachten zweier unabh. Sachverständiger kaufen und dann muß auch noch der Preis stimmen. Denn in etwa diese Erfahrung haben Bekannte auch gemacht, unter'm Strich hatte es sich nach 36 Monaten Umbau in Eigenregie nicht gelohnt, in dem Falle wäre Abriß und Neubau günstiger gekommen (war auch kein Denkmalschutz drauf).
Also in Aachen ist es wirklich so, daß da im 2. Weltkrieg die ein oder andere Bombe zuwenig gefallen ist.
Da steht noch so mancher Mietaltbau mit 5 Stockwerken, natürlich kein Aufzug, die Elektroinstallation jenseits von gut und böse, die Abwasser-Fallrohre dürften auch nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Innendurchmessers haben und dann kommen da noch die heutzutage normalen Menschen nicht mehr zumutbaren Wohnungsgrundrisse (Scheißhaus auf halber Etage oder auf dem Flur).
In Bonn, z.B. Paulstraße, wurden vergleichbare Bauten in den 80ern gegen heftigsten Widerstand des Denkmalschutzes kernsaniert:
Aus drei Wohnungen pro Etage wurden zwei, um Platz für Bäder zu schaffen und die Elektroinstallation wurde vom Keller aus komplett neu gemacht. Die Holzfenster wurden durch Nachbildungen (des Designs) aus Kunststoff ersetzt. Der Denkmalschutz hat getobt! Der Denkmalschutz wollte, daß die alten Fenster saniert werden. Damit wären es aber alte, einfach verglaste Holzfenster geblieben. Der Bonner General-Anzeiger zitierte meinen Vater wie folgt: "Den Mietern fließt das Wasser in Strömen entgegen."
Ich bin der Überzeugung, daß diese Objekte, wenn man sie damals nicht saniert hätte, heute leer stünden oder zu Asigegenden verkommen wären.
Und diese Modernisierungen waren eigentlich auch schon recht spät. Ein anderes Zitat von meinem Vater, nicht in einer Zeitung abgedruckt: "Wir hatten in Kamen schon Ferngas, da haben die Bonner noch im Garten geschissen.", bezogen darauf, daß es wohl irrsinnig lange Toilettenhäuschen im Hof gab und in manchen Objekten noch in den späten 80ern und frühen 90ern keine Zentralheizungen oder Gasthermen waren und die Mieter winters Kohlen in der Badewanne aufbewahrt hatten, um nicht ständig in den Keller kraxeln zu müssen um die Kohleöfen zu befeuern.
Ganz so furchtbar ist unser Bau aber nicht:
- Baujahr 1927 (Die o.g. Bauten haben großteils eine 18 vorne)
- Dachstuhl erneuert
- außenseitige Wärmedämmung
- Kunststoffenster
- Abwasserrohre Kunststoff
- Ölzentralheizung (Wird durch eine Gaszentralheizung mit Brennwertnutzung und Solarunterstützung ersetzt)
Ganz so schlimm ist das nicht. Die Heizung kostet 12-13 kiloEUR, inkl. Entsorgung des kellerverschweißten Öltanks. Elektrickser bin ich selber und das Material dafür kriege ich sehr günstig. Das Haus an sich hat uns nichts gekostet (Ist meiner Frau überschrieben worden), könnte aber umgekehrt nur sehr verlustträchtig verkauft werden.
Richtiges Bauland wiederum gibt es hier keines, die Gemeinde erzwingt den Bau von "Hochhäusern":
Die Grundflächenzahl liegt i.d.R. bei 0,3 , was bedeutet, daß man 500m² Grundstück bräuchte um 150m² brutto bzw. 120m² netto in einer Etage (Bungalow) zu bauen. Bei der Fläche wären wir aber immer noch gezwungen, für die Anschlüsse und die Heizung zu unterkellern, wobei ich Keller für Geldverschwendung halte. Man bräuchte also eher 625m² Grundstück, um 150m² netto zu bauen.
Aus dem Grund wird hier nur 1,5- bis 2,5geschossig gebaut. So'n Scheiß¹ muß ich aber nicht erst bauen, den hab ich schon.
¹Scheiß deshalb, weil bei mehrgeschossiger Bauweise unnötig Verkehrsflächen entstehen, in jeder Etage.
Beispielrechnung: Du kaufst ein Grundstück von 275m² Fläche mit einer GRZ von 0,3, darfst also nur 82,5m² brutto bebauen, das ergibt ca. 66m² netto, davon verlierst Du etwa 10m² für die Treppe ins 1., bzw. 2. OG.
Rechne davon jetzt mal ein einigermaßen Wohnzimmer und eine Küche ab... möchtest Du da noch ein Esszimmer bzw. eine Essecke im Wohnzimmer haben, kommst Du schon in Schwulitäten mit dem Hauswirtschaftsraum, den man heutzutage für Heizung usw. nutzt. Außerdem möchte man ja auch gerne mal pi... oder ka.... können, wenn man auf der Terasse oder im Wohnzimmer ist, ohne erst eine Etage hochklettern zu müssen.
Mal aufaddieren:
10m² Verkehrsfläche Treppe
2,5m² "Gäste"-WC
12,5m² Küche
25m² Wohnzimmer
= 60m²
verbleiben nur 6m² für den HWR, in dem ja ein Heizungskessel, ein Brenner, die Waschmaschine und der Trockner sowie ein paar Konserven stehen sollen... für Bügeln o.ä. bleibt da schon kein Platz mehr. Also doch Geld sinnlos für einen Keller investieren...
Und dann muß man auch mal daran denken, daß man auch mal älter wird, dann möchte man zum Wäschewaschen oder abends zum Schlafengehen keine Treppen mehr steigen.
Ne, tut mir leid, für so einen Mist verbrenne ich kein zusätzliches Geld.
Wenn ich neu baue, dann für mich und nicht für Feinde:
150m² netto
ab 25m² Wohnzimmer
ab 15m² Esszimmer/-ecke
ab 15m² Küche
ab 15m² Bad
ab 15m² Schlafzimmer 1
ab 15m² Schlafzimmer 2
ab 15m² Büro
ab 15m² Hauswirtschaftsraum (Waschmaschine, gasbetriebener Wäschetrockner, Mikroblockheizkraftwerk mit Kraft-/Wärme-/Kältekopplung oder Erdwärme (Je nach Bodenverhältnissen), Kessel, Gefrierschrank, Abstellraum mit Bügelecke.
Rest Verkehrsflächen
Bodenplatte und Flachdach oder Krüppelwalm, je nach umliegender Bebauung
Dafür braucht man die gleichen 275m² Grundstück, sofern die GRZ bei 0,7 liegt, vor allem bleiben dann auch nur 87,5m² Garten statt einem ganzen Fußballfeld, was sehr praktisch ist, wenn man so auf Gartenarbeit steht wie ich.
Die 87,5m² pflastert man dann noch mit nicht versiegelnden Steinen und gut ist.
In dem Haus kann man dann auch wohnen bleiben, wenn die Beine mal nicht mehr so mitmachen, denn notfalls kommt man auch mit dem Rollstuhl vom Schlafzimmer in die barrierefreie, bodengleiche Dusche und ins Wohnzimmer, bzw. wenn das Essen auf Rädern kommt auch ins Esszimmer.
Ich glaube, das ist ein Aspekt, den viele 30jährige vergessen, wenn sie der Gemeinde die Müllgrundstücke abkaufen und sich ihr Hochhäuschen bauen.
Erst kürzlich wieder gesehen, wie auf einem Grundstück auf dem ich nicht einmal ein Einfamilienhaus bauen würde ein Zweifamilienreihenhaus entstand. Also wenn die 45m² echte Wohnfläche je Etage haben, dann ist das viel. Wenn ich mir mehr nicht leisten kann, kann ich für das gleiche Geld besser mieten, als Altersvorsorge taugt so ein Haus ja wie ausgeführt eh nicht.
Ralf25 hat geschrieben:
Und bei der Schwüle kann ich mir was besseres vorstellen, als am Bau zu malochen. Da sammle ich doch viel lieber POIs!

Da haste allerdings wahr. Am besten ist, man hat soviel Geld, daß man bauen lassen kann
